Offb. 4,1-11

                                                                                   Rheinbach, den 23.11.1958

Predigt am Totensonntag

Offenbarung Johannes 4, Vers 1-11

Danach sah ich, und siehe, eine Tür war aufgetan im Himmel, und die erste Stimme, die ich hatte mit mir reden hören wie eine Posaune, die sprach: Steig herauf, ich will dir zeigen, was nach diesem geschehen soll.

  Alsbald wurde ich vom Geist ergriffen. Und siehe, ein Thron stand im Himmel, und auf dem Thron saß einer. Und der da saß, war anzusehen wie der Stein Jaspis und Sarder; und ein Regenbogen war um den Thron, anzusehen wie ein Smaragd. Und um den Thron waren vierundzwanzig Throne, und auf den Thronen saßen vierundzwanzig Älteste, mit weißen Kleidern angetan, und hatten auf ihren Häuptern goldene Kronen. Und von dem Thron gingen aus Blitze, Stimmen und Donner; und sieben Fackeln mit Feuer brannten vor dem Thron, das sind die sieben Geister Gottes. Und vor dem Thron war es wie ein gläsernes Meer, gleich dem Kristall, und in der Mitte am Thron und um den Thron vier himmlische Gestalten, voller Augen vorn und hinten. Und die erste Gestalt war die eines Löwen, und die zweite Gestalt war gleich einem Stier, und die dritte Gestalt hatte ein Antlitz wie ein Mensch, und die vierte Gestalt war gleich einem fliegenden Adler. Und eine jede der vier Gestalten hatte sechs Flügel, und sie waren außen und innen voller Augen, und sie hatten keine Ruhe Tag und Nacht und sprachen:

     Heilig, heilig, heilig ist Gott der Herr, der Allmächtige, der da war, der da ist und der da kommt.

Und wenn die Gestalten Preis und Ehre und Dank gaben dem, der auf dem Thron saß, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, fielen die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem, der auf dem Thron saß, und beteten an den, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, und legten ihre Kronen nieder vor dem Thron und sprachen:

     Herr, unser Gott, du bist würdig, zu nehmen Preis und Ehre und Kraft, denn du hast alle Dinge geschaffen, und durch deinen Willen waren und wurden sie geschaffen.

 

Liebe Freunde!

Es ist der letzte Sonntag des Kirchenjahres. Und unser Predigttext für den heutigen Sonntag stammt aus dem letzten Buch der Bibel. Das gehört ja irgendwie zusammen. Aber dieses letzte Buch der Bibel, das von den zukünftigen Dingen redet, das wird von der Auslegung ein wenig gemieden. Das kommt daher, weil die Auslegung ziemlich schwierig ist. Die Offenbarung Johannes ist kein dummes Buch für unsere Neugier, als könnten wir da Geheimnisse und Rätsel entschlüsseln, die uns da irgendwo versteckt und verborgen wären wie ein  Bilderrätsel. Sie ist auch nicht dazu angetan, daß wir aus ihr irgendwelche geheimnisvollen Orakel beziehen können, sondern sie fordert von uns die redliche Mühe der Auslegung, wie es jede Stelle der Heiligen Schrift von uns fordert. Die Mühe bei der Auslegung der Offenbarung Johannes ist nun aber wirklich etwas schwierig dadurch, weil man ziemlich viel von seiner Bibel kennen muß, bis man sie verstehen kann. Das Verstehen dieses Buches erfordert ziemlich viel Bibelkenntnis und das macht es etwas schwierig für den, der in seiner Bibel nicht genau Bescheid weiß. Nun weil dem allen so ist, so wird auch die Predigt über einen Text aus der Offenbarung mehr Auslegung als Anrede sein müssen. Anrede war zum Beispiel die Predigt an Buß- und Bettag. Auslegung Vers für Vers wird die heutige Predigt sein. So gibt es verschiedene Arten und Weisen zu predigen. Und was ich hier auslege, soll ja nur ein Musterbeispiel sein dafür, wie die Offenbarung Johannes zu lesen ist. Es fängt also dieses 4. Kapitel folgendermaßen an: "Danach sah ich, und siehe, eine Tür war aufgetan im Himmel, und die erste Stimme, die ich mit mir hatte reden hören wie eine Posaune, die sprach: Steig herauf, ich will dir zeigen, was nach diesem geschehen soll  Alsbald wurde ich vom Geist ergriffen." Die Stimme, die hier mit Johannes redet wie eine Posaune, das ist die Stimme, die schon im 1. Kapitel der Offenbarung begonnen hat, mit ihm zu reden. Und wir erfahren, es ist die Stimme unseres Herrn Jesu Christi. Und auch da heißt es: " Ich war im Geist an des Herren Tag und hörte hinter mir eine große Stimme gleich einer Posaune." Es ist also dies gewissermaßen ein zweites Gesicht, das Johannes gehabt hat nach dem ersten Gesicht, von dem die Kapitel 1-3 erzählen. Es steht da, Johannes sei alsobald im Geist gewesen. So heißt es hier, so heißt es im ersten Kapitel. Der heilige Geist, der vor ihm den Schleier wegzieht von dem, was hernach geschehen soll. Der heilige Geist, der ist es auch, der ihn dazu fähig macht, dieses Buch zu schreiben und die Geheimnisse Gottes zu predigen. Der heilige Geist macht auch ihn zu einem  Propheten, denn so steht es schon im zweiten Brief des Apostel Petrus: "  Die heiligen Propheten haben geredet, gepriesen von dem heiligen Geist." Danach bestimmt sich nun die Art und Weise, wie wir dieses Wort hören und lesen. Man kann die Bibel aufschlagen und für dieses altehrwürdige Buch zunächst einmal interessiert sein. Man will einmal hören und bedenken, was dort steht. Das ist eine - wie soll man sagen - durchaus ehrbare und anständige Art, die Bibel zu lesen. Aber es kann dann sein, daß während des Bibellesens auf einmal der Leser inne wird, das mußt du ganz anders lesen, das kannst du nicht nur so interessiert lesen, sondern das mußt du lesen, als spräche der Herr Jesus Christus selbst zu dir. Das ist kein Buch, über das du dir Gedanken machen sollst und kein Urteil bilden sollst, sondern das ist ein Buch, das dich meint und dich anredet. Und auf einmal haben wir zu diesem Buch ein ganz anderes Verhältnis. Warum, weil wir auf einmal merken, hier begegnet uns das Wort Gottes, hier redet jemand zu uns Kraft des heiligen Geistes, hier steht uns kein Urteil und kein Interesse zu, sondern nur noch das Wort, das Samuel sagte: "Rede Herr, dein Knecht hört." Als diese Stimme zu Johannes redete, da war eine Tür aufgetan im Himmel. Das ist dieselbe Tür, die aufgetan ist am Anfang und am Ende des Buches Hiob. Die Geschichte Hiobs und den Sinn seiner Leiden und Prüfungen, die versteht man ja nicht, wenn man an dem nicht teilgenommen hat, was da im Himmel beraten und beschlossen worden ist über ihn. Dann ist das alles unverständlich und sinnlos. Erst vom Himmel her bekommt das, was Hiob auszustehen hatte und erleiden mußte seinen  Sinn und führt zu seinem Ziel. Und auch diese Tür im Himmel, die wird aufgetan, um Johannes zu zeigen, was diesem geschehen soll. Es ist ja immer so in unserem Leben: das Allermeiste, was hier geschieht, das verstehen wir nicht, warum es geschieht, was es für einen Zweck hat, zu welchem Ziel es führen soll. Das scheint alles ein Spiel des Zufalls zu sein, ein ziemlich zielloses Durcheinander. Erst, wenn diese Tür aufgeht, dann merkt man, welche Absichten Gott, welchen Plan er verfolgt, zu welchem Ziel er gelangen will und dann kriegt das alles seinen Sinn. Diese Tür ist vor Johannes aufgetan, und er ist ermächtigt uns zu sagen, was er hinter dieser Tür geschaut hat. Es ist so in dem Leben jedes einzelnen Menschen - wie dieses Hiobs - wie im Leben der großen Weltgeschichte, ohne daß wir in Gottes Plan Einsicht haben, kommt uns die große und die kleine, die persönliche und die allgemeine Geschichte recht verworren und recht ziellos vor. Und so gilt es zu glauben, daß Gott seine Ziele und Pläne hat und daß er die Tür auch auftut und daß wir es ihm überlassen können, daß er wohl weiß, zu welchem Zweck er das alles geschehen läßt und alles so haben will.

Hinter dieser geöffneten Tür sieht nun Johannes gewissermaßen den ganzen himmlischen Hofstaat versammelt. Und wenn er diesen himmlischen Hofstaat beschreibt, dann fängt er an natürlich bei dem Herrn und König, der auf dem Thron sitzt." Und siehe, ein Stuhl war gesetzt im Himmel und auf dem Stuhl saß einer. Und der da saß war gleich anzusehen wie der Stein Jaspis und Sarder; und ein Regenbogen war um den Stuhl, gleich anzusehen wie ein Smaragd." Liebe Freunde, das sind sicher Bilder, die von der orientalischen Phantasie herstammen, für die ja die Edelsteine noch viel mehr bedeuten als bei uns. Aber eines fällt in diesen Bildern auf, die einzelnen Steine brauchen wir nicht auszulegen, aber der auf dem Stuhl sitzt, der ist gar nicht beschrieben. Ich habe ja eine Gestalt und ein Angesicht nicht beschrieben, wenn ich irgendwelche Farben von Steinen nenne oder Strahlen, die in einem Kristall sich brechen. Es geht darauf zurück, daß der Jude eine tiefe Ehrfurcht vor dem Wesen Gottes hat. Selbst  bei Mose spricht Gott: Mein Angesicht kann man nicht sehen, denn welcher Mensch mich sehen würde, der müßte sterben. Und Jesaja, als er im Tempel die Herrlichkeit des Herrn sieht, der sagt: Wehe mir, ich vergehe, denn ich habe den Herrn Zebaoth mit meinen Augen gesehen. Und so ist es auch hier: die tiefe Ehrfurcht, die Scheu vor Gott spricht aus diesen Worten, daß weder Gestalt noch Antlitz Gottes beschrieben sind. Gerade im ersten Kapitel können wir nachlesen, daß die Erscheinung und Gestalt und auch das Antlitz unseres Herren Jesu Christi sehr deutlich und ausführlich beschrieben worden sind. Ich meine nicht seine irdische Erscheinung, sondern seine himmlische Erscheinung, die Erscheinung seiner Herrlichkeit. Da hat Johannes gar keine Scheu sie auszuführen und auszumalen, aber bei Gott tut man so etwas nicht. Und hier, liebe Freunde, dadurch, daß uns der Herr Jesus Christus im Fleisch erschienen ist, uns gleich geworden ist, sich auf die gleiche Stufe gestellt hat mit uns, sind wir in der Gefahr, diese tiefe Ehrfurcht und Scheu vor dem Wesen Gottes zu verlieren  und so tun als hätten wir es mit unseresgleichen zu tun. Das ist unsere Gefahr. Wenn sich Gott so erniedrigt, dann begibt er sich in die Gefahr, daß man seine Heiligkeit und Unnahbarkeit  und seine Herrlichkeit vergißt. Johannes hat es nicht vergessen, obwohl er im Geiste Zeuge des himmlischen Hofstaates war.

" Und um den Stuhl waren vierundzwanzig Stühle, und auf den Stühlen saßen vierundzwanzig Älteste, mit weißen Kleidern angetan, und hatten auf ihren Häuptern goldene Kronen." Nun liebe Freunde, es werden keine Stühle gewesen sein, sondern Throne, denn die Leute, die Kronen auf den Häuptern haben, die sitzen auf Thronen, wie auch Gott im Himmel thront. Aber es sind nun keine zwölf Throne und keine zwölf Älteste, sondern deren vierundzwanzig. Es hat etwas zu bedeuten. Wenn es zwölf wären, dann wäre die Deutung sehr einfach, dann wären es eben die zwölf Geschlechter Israels. Vierundzwanzig aber heißt, daß nun auch die vor Gottes Thron vertreten sind, die aus den Völkern der Heidenschaft kommen. Auch für die gibt es Minister im himmlischen Regiment, Fürsprecher, die ihre Sache vor Gottes Angesicht vertreten. Denn das sind ja nun einmal die vierundzwanzig Ältesten, die mit goldenen Kronen geehrt sind, das ist ja nun einmal der himmlische Hofstaat, das sind die Berater Gottes, die Minister - sei es mit irdischen Worten zu sagen: sein Kabinett. Und in diesem himmlischen Rat sind auch wir vertreten, wenn wir auch nicht zum auserwählten Volke gehören. Irgendwie ist die Zahl der Fürsprecher und Vertreter und Minister verdoppelt worden gegenüber der alten Zahl, das sollen die vierundzwanzig sein. Nun aber sind diese Ältesten angetan mit weißen Kleidern und Kronen auf ihren Häuptern, das sind offenbar Menschen. Es ist nicht an irgendwelche überirdische Wesen gedacht. Es sind die Stellvertreter der Menschheit gedacht, deren Namen sie sprechen und sind selber deren Älteste, wie man das heute bei denen so nennt, die die Gemeinde vertreten im Presbyterium. Es ist merkwürdig, daß diese Ältesten, die ja doch verklärte Menschen sind, wie der Herr Jesus Christus ein verklärter Christus ist, daß diese verklärten Menschen im himmlischen Hofstaat und in der himmlischen Rangordnung vor den Engeln rangieren. Noch ist von keinem Engel noch himmlischen Wesen geredet, auch nicht gesagt, daß sie auf güldenen Thronen sitzen, auch nicht, daß sie weiße Kleider haben und Kronen auf ihren Häuptern; das ist den Vertretern der Gemeinde vorbehalten. Wir erinnern uns daran, daß der Apostel Paulus einmal zu den Korinthern sagen kann: " Wißt ihr nicht, daß wir die Engel richten werden?"

Das heißt, die Vertreter der heiligen Gemeinde, der Heiligen Gottes, aus den Menschen hervorgegangen, werden selbst die Engel richten und vor den Engeln im himmlischen Hofstaat rangieren. Da sehen wir einmal, welche Würde Gott den Seinen in seinem Reiche vorbehalten hat. Es wird hier voller ernst damit gemacht, daß sie seine Söhne und seine Kinder sind und an seiner Herrlichkeit teilnehmen, genauso auf Thronen sitzen wie er und das königliche Kleid anhaben. Die anderen sind dienstbare Geister, sie aber sind seine Söhne und deshalb sitzen sie vor ihm in der gleichen Würde und in der gleichen Herrlichkeit.

Wir sollten das nie vergessen, daß die Gemeinde Gottes zu dieser Höhe und zu dieser Würde und Herrlichkeit berufen ist.

" Und von dem Stuhl gingen aus Blitze, Donner und Stimmen; und sieben Feuer von Fackeln brannten vor dem Stuhl, welches sind die sieben Geister Gottes". Liebe Freunde, Blitze, Donner und Stimmen, das kann man leicht auslegen. Man braucht sich nur zu erinnern, wie es da am Sinai geschah als Gott zu Mose redete, auch da haben sie dieselben Zeichen Blitze, Donner und Stimmen vernommen. Aber an das Bild von den sieben Geistern, die die Fackeln mit Feuer vor dem Thron Gottes brennen, müssen wir uns gewöhnen. Sieben Geister -da fällt uns ein, daß Gott die Welt in sieben Tagen erschaffen hat, vielleicht, und sicher ist die Zahl sieben ein Gleichnis für Vollkommenheit, für das fertige und abgerundete Werk Gottes, aber es ist noch mehr. Und wir schlagen wieder auf, was im ersten Kapitel der Offenbarung steht: "Johannes den sieben Gemeinden in Asien, Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt, und von den sieben Geistern, die da sind vor seinem Stuhl, und von Jesu Christo, welcher ist der treue Zeuge und Erstgeborene von den Toten und der Fürst der Könige auf Erden." Diese Zusammenstellung und diese Reihenfolge ist merkwürdig: Gott Vater, der da ist und der da war und der da kommt, das ist eine altgewohnte Beschreibung seines Namens, und dann werden die sieben Geister genannt und an dritter Stelle erst Jesus Christus. Da werden wir auf einmal gewahr, das sind ja keine dienstbaren Geister, sondern was da in enger Einheit mit Gott Vater selbst und Jesus Christus, dem eingeborenen Sohn genannt ist, das kann nur der heilige Geist sein. Wenn nun einmal hier in siebenfacher Weise seine Tätigkeit auseinander gefaltet ist? Vielleicht soll es sagen, daß er überall und allenthalben wirkt. Es ist hier nicht angebracht, eine Lehre vom heiligen Geist darauf zu gründen, dass er hier nun in siebenfacher Gestalt erscheint. Wir denken daran , daß wir da eben auch gehört haben von den sieben Gemeinden, die nacheinander angeredet werden - damals gab es viel mehr als sieben Gemeinden in der Christenheit - aber das waren so gewissermaßen die Stellvertreter, die Repräsentanten der ganzen Christenheit in Gestalt dieser sieben Gemeinden. Und die sieben Geister, die hier die Fackeln vor dem Throne Gottes brennen, sind die Repräsentanten der Wirksamkeit seines Geistes all über allen Orten und zu allen Zeiten hier auf dieser Erde.

"Und vor dem Stuhl war ein gläsernes Meer gleich dem Kristall, und mitten am Stuhl und um den Stuhl vier Tiere, voll Augen vorn und hinten. Und das erste Tier war gleich einem Löwen, und das zweite Tier war gleich einem Kalbe ( besser gesagt einem Stier ; auch im Alten Testament war das berühmte goldene Kalb ein goldener Stier ), und das dritte hatte ein Antlitz wie ein Mensch, und das vierte Tier war gleich einem fliegenden Adler ".

Liebe Freunde, auch diese Tiere begegnen uns im alten Testament. Es ist kein Bild, das Johannes neu empfangen hätte, das nicht vor ihm schon einmal jemand anderes gesehen hätte, und alle Züge lassen sich hier auslegen. Dass diese Tiere voll Augen waren, erinnert an bestimmte Erscheinungen, die dem Propheten Hesekiel zuteil geworden sind. Und wenn es nachher heißt, jedes Tier hatte sechs Flügel, sind wir natürlich erinnert an die Seraphim, die im Tempel standen und die der Prophet Jesaja gesehen hat. Auch da heißt es, ein jeder hatte sechs Flügel. Man konnte jedes dieser Bilder im alten Testament schon vorgezeichnet finden. Alles in allem aber ist dies ganze Bild des himmlischen Hofstaates ein Abbild dessen, wie ein Orientale sich wohl den königlichen Hof - in Persien, in Babylon - vorstellt. Ich würde meinen, wenn Johannes kein Orientale gewesen wäre, dann wäre ihm die Erscheinung Gottes und der himmlische Hofstaat in anderen Bildern erschienen. Wenn er ein Deutscher gewesen wäre, dann wäre er ihm wahrscheinlich erschienen in der Gestalt wie wir uns einen Kaiser des Mittelalters vorstellen, mit vielen Rittern und Knappen in Rüstungen. Es ist ein Zeichen dafür, wie tief sich Gott zum Menschen herab läßt, damit er ihn begreifen kann. Er macht sich ihm so verständlich, er zeigt sich ihm so, daß er ihn erkennen kann mit den Bildern, die er in seinem Herzen bewegt und die zu ihm reden und ihm verständlich sind. Wir sind nicht daran gebunden, daß wir uns das Bild des himmlischen Hofstaates so malen wie es Johannes sich vorgestellt hat. Dazu ist dieser Johannes Glied eines anderen Volkes und Kind einer anderen    Zeit .Aber eins ist merkwürdig, dieses Bild läßt sich überhaupt nicht malen. Es ist merkwürdig unanschaulich. So wie diese Wesen da geschildert werden, so lassen sie sich nicht einfach zu Papier bringen. Ähnliches könnte man ja finden in den Thronsälen eines assyrischen Königs, wo solche sagenhaften Gestalten an der Wand auf glänzenden Kacheln erscheinen .Aber so, wie sie hier geschildert sind, sind die nun wieder auch nicht. Irgendwie sind diese Dinge unanschaulich und unbegreiflich, gehen über das hinaus, was  ein menschliches Auge fassen kann. So etwas kann man vielleicht im Traum oder im Gesicht einmal schauen, wo ja auch die Dinge so merkwürdig auseinander gehen. Und es gibt manches Traumgesicht, das kann man nicht schildern und noch viel weniger könnte man es nachzeichnen. So geht es dem Johannes hier auch. Wollen wir doch jedes Mal daran denken, wenn wir von den ewigen und zukünftigen Dingen reden, daß sie einfach den Kreis dessen, was uns begreiflich und anschaulich ist, sprengen, daß wir einfach nicht imstande sind, uns darüber zutreffende Bilder zu machen, daß wir einfach nicht vermögen, das auf eine einfache Weise mit irdischen Worten zu beschreiben. Es geht einfach dies alles über unser Fassungsvermögen hinaus. Und darum geziemt hier Bescheidenheit. Das ist wohl der Sinn dessen, daß Johannes in seiner Offenbarung dies auch so schildert, daß man es gar nicht irgendwie begreifen, nachzeichnen und verständlich machen kann. Und dann sehen wir, wie der ganze himmlische Hofstaat in einer Huldigungszeremonie vor Gottes Thron niedersinkt:

"Heilig, heilig, heilig, ist Gott der Herr, der Allmächtige, der da war, der da ist und der da kommt." Und wenn die Gestalten Preis, Ehre und Dank gaben dem, der auf dem Thron saß, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, fielen die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem, der auf dem Thron saß und beteten den an, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit und legten ihre Kronen nieder vor dem Thron und sprachen:

"Herr, unser Gott, du bist würdig, zu nehmen Preis und Ehre und Kraft; denn du hast alle Dinge geschaffen, und durch deinen Willen waren sie und wurden sie geschaffen."

Auffällig ist ja diese Reihenfolge wieder: die Huldigung fängt bei den Wesen an, die Gott dienen und wird dann aufgenommen von denen, die mit Gott auf den Thronen sitzen. Und auch die legen ihre Kronen ab zu den Füßen Gottes, zum Zeichen dessen: es sind verliehene Kronen und verliehene Würden. Sie kommen alle von dem einen, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Nur weil sie verliehen sind, tragen sie diese Kronen und Ehren zu Recht. Wir haben sie nicht erworben oder erobert, sondern sie gehören Gott und ihm gebührt allein die Ehre, auch die Ehre seiner Kinder und seiner Söhne. Und liebe Freunde, diese Huldigung schließt:

"Du hast alle Dinge geschaffen, und durch deinen Willen haben sie das Wesen und sind geschaffen." Da sind wir auf einmal auf den Anfang der Bibel hin verwiesen, zur Schöpfung hin. Wenn wir einmal, was Gott uns geben möge, im ewigen Leben ankommen und an der ewigen Herrlichkeit teilhaben, liebe Freunde,, dann werden wir keinen Propheten mehr nötig haben, denn wir sehen alle selbst, da wird uns keiner mehr predigen müssen, denn wir gehören Gott und sprechen mit ihm von Angesicht zu Angesicht, dann werden wir keine Fragen und Zweifel mehr haben, denn der wäre frei von Zweifeln und Fragen, der auf dieser Erde gewissermaßen mit verbundenen Augen wandelt, vor dem die Tür nicht aufgetan ist wie vor Johannes, die er selbst nicht aufsprengen kann, Gott müsste sie dann selber für ihn auftun. Dann werden alle Rätsel und Fragen gelöst sein. Dann wird auch dieser große Zwiespalt weg sein, der die Schuld schafft, daß wir unsere Augen nicht aufzuheben wagen, - wie der Zöllner im Tempel - und von Ferne bleiben müssen; wir meinen, wir seien nicht würdig, an dieser Herrlichkeit teilzunehmen. Dann wird vieles gelöst sein und vieles, was hier in unserem Gottesdienst notwendig ist, überflüssig sein. Dann wird das Wort in Erfüllung gegangen sein, es wird keiner den anderen mehr lehren und sagen, er kenne den Herrn nicht, sondern sie werden mich alle kennen, beide klein und groß. Dann wird eines übrig bleiben, die Anbetung von ihm, seiner Weisheit und seiner Herrlichkeit - die tiefe Einsicht, wie wohl das alles von Anfang an angelegt war, wie konsequent das alles in Gottes Plan durchgeführt worden ist, von dem wir nichts verstanden, worüber wir uns die Köpfe zerbrachen. Wie herrlich das zu seinem Ziel gekommen ist! Dann werden wir auch einmal verstehen, was da im Bericht über die Schöpfung gesagt ist: " Siehe da, es war alles sehr gut." Und dann werden auch wir befähigt sein, in diesen Lobpreis und in diese Huldigung einzustimmen, wie hier Johannes im Geist geschaut hat, daß ihm ein Blick vergönnt war in die Versammlung des himmlischen Hofstaates und seiner Huldigung vor dem Throne Gottes.

Amen.