Reformation

Darf ein Christ Schwören?
(v.N. Seite 221ff) siehe hierzu auch Texte, zu 6.

Rogate (22.5.1938)

3. Mos. 19,12
Ihr sollt nicht falsch schwören bei meinem Namen und den Namen eures Gottes nicht entheiligen; ich bin der HERR.

Aus besonderem Anlaß - wir sind der christlichen Gemeinde Rechenschaft schuldig.

„ daß ihr aller Dinge nicht schwören sollt“.(Matth. 5,34)  Darf ich als Christ überhaupt schwören? Als Christ soll meine Rede keiner Beteuerung bedürfen - auch nicht auf Ehrenwort - denn ich will die Wahrheit reden, nicht, weil ich meine Ehre zum Pfand gegeben habe, sondern weil meine Lüge den Heiligen Geist betrüben würde, die Kraft Christi an seinem Erlösten leugnete. Ein Christ soll auch von seinem Bruder niemals Beteuerung fordern. Christus wird dadurch geehrt, daß ich ihm glaube. Darum unter Christen - in der Kirche der Eid nicht am Platz und bisher nicht gebraucht. Die erste Peinlichkeit, die diesem Eid anhaftet - -.

Aber darf ein Christ überhaupt schwören? Die Kirche sagt ja. Da in der unerlösten Welt die Obrigkeit der Rede ihrer Untertanen nicht glauben kann, fordert sie den Eid. Sie kann mich nicht anders behandeln als alle Untertanen. Die Schrift weist mich, in ihrem Regiment zu helfen durch Gehorsam und Willigkeit, so weit das ohne Sünde geschehen kann. So hat Jesus unter Eid ausgesagt. Darum mögen wir mit gutem Gewissen schwören, wenn die weltliche Obrigkeit - -

Wenn nun sogar die Kirchenleitung sich als weltliche Obigkeit gebärdet - - müßte ich zwar sagen: es ist nicht christlich, was du forderst, würde aber schwören, wenn ich in Wahrheit den Inhalt des Eides schwören kann. Ihre Sünde - nicht meine Sünde.

Aber der Eid muß wahr sein - ist heilig - unter Anrufung Gottes. Wir wissen, wie ernst und gewissenhaft unsere Väter Eid nahmen. Es sollte eigentlich kein Wort darüber zu verlieren sein, daß man nicht falsch schwören darf. Doch muß heute darüber geredet werden. Der sparsame Gebrauch hat aufgehört - eine alltägliche Sache. Nicht mehr Sache des reifen Mannes, sondern man läßt Kinder schwören. Das heißt die Obrigkeit macht sich nicht mehr wie früher ein Gewissen daraus, den Eid zu fordern, so macht sich der Untertan keins mehr daraus, ihn zu leisten. Menschen sind ja immer bereit einander frei zu sprechen, wenn sie „es alle tun“. Hier ist der Christ gerufen - - damit man merke, welche Macht Christus über ihn hat - vor der Welt die Heiligkeit des Eides zu bezeugen. Wenn auch alle Welt leichtfertig schwört, ich darf es nicht um Christi willen. 3.Mos.19,12.

Kann ein Prediger des Evangeliums den von uns geforderten Eid in Wahrheit leisten? Wir antworteten: Nein. Wortlaut - Genfer Pfarrereid. Wir wollen der weltlichen Obrigkeit alles zuschwören, was ihr zusteht, aber über die Erfüllung unserer Amtspflichten zu entscheiden steht ihr nicht zu. Wir wollen und müssen Freiheit behalten, auch ihr ins Gewissen zu reden, darum darf sie sich nicht zur Herrin unseres Amtes machen. Wir sind dem Herrn verpflichtet - niemand kann zwei Herren dienen.

Eidesbelehrung pflegt voraus zu gehen. Auch hier. Ihr Sinn. In unserer Eidesbelehrung steht neben anderen anstößigen Sätzen der eine: (Abs.3) auf Grund dieser Belehrung - kein Christ schwören in welchem Stande er sei. Innerste Verbundenheit nur mit einem Jesus Christus. Mit allen Menschen nur durch ihn, mit niemandem außer ihm oder über ihn hinaus. An ihm und seinem Wort findet jede Verbundenheit ihre Grenze - Eltern - Ehegatten - Kinder - auch Obrigkeit. Wird mir eine Bindung durch einen Eid auf erlegt, muß ich mein neues Testament auf schlagen: erlaubt mir das Wort des Herrn -? Da finde ich nun daß er mich in heißt, jeder Obrigkeit den gleichen Gehorsam zu leisten, daß ich nicht wählen darf, ich mich verbinden will. Der unpolitische Pfarrer keine Forderung der Welt. An jede Obrigkeit in gleicher Weise gebunden - von jeder gleich weit entfernt.

Welchen Eid könnte man schwören? - die Welt wollte fragen: übertretet ihr nicht dauernd die Gesetze? Wir haben nicht ohne Grund den Vorbehalt gemacht den unser Amt betrifft. In den Bek.Schr.:“ Eid kein Band zu sündigen.“ Es gibt keinen Eid, der dich zur Lüge oder ähnlichem verpflichten kann. „So wahr mir Gott helfe.“ Du kannst nicht deine Seligkeit zum Pfand einsetzen, wenn du sie durch den selben Eid gefährden wolltest. Einen solchen Eid soll man uns anbieten, bei dem wir dem Kaiser... Gott, was Gottes ist.

Es ist somit, daß es noch einige Leute gibt, die sich ein Gewissen über den Eid machen und damit Christus die Ehre geben. Amen