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Zur Lage der Kirche (aus einem Rundbrief im Advent 1974)

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Ich will aber nicht verschweigen, dass bei vielen Besuchen, die zu mir kamen, manche Klage über die Kirche laut geworden ist. Einem alten Pfarrer, der nicht mehr im Amt steht, kann man ja manches anvertrauen, was man sonst zu sagen sich scheut. Ist von unserer Kirche die Vollmacht genommen, so dass sie heute selbst nicht mehr weiss, welche Botschaft sie zu verkündigen hat? Versucht sie deshalb, bei allen Tagesfragen mitzureden, weil ihr die eigene Existensberechtigung fraglich geworden ist und sie um ihren eigentlichen Auftrag nicht mehr weiss? Ist dies die Kirche, für die man gearbeitet, gekämpft und - in aller Bescheidenheit sei es gesagt - auch einiges gelitten hat. Lohnte sich das für diese Kirche? Ich bin dankbar, das unsereiner von der Verpflichtung entbunden ist, hier noch etwas tun oder reden zu müssen. Als einzige Aufgabe bleibt aber das Beten, so zu beten, wie wir es im Lied 216 unseres Gesangbuches finden: “Wach auf, du Geist der ersten Zeugen, die auf der Mauer als treue Wächter stehen!” Und weiter: “Ach, dass die Hilf aus Zion käme --- O bessre Zions wüste Stege!” Ich muss schon bekennen, dass der jetzige Zustand unsrer Kirche mir eine arge Anfechtung ist und ich, wie gerne, noch einmal den Beginn einer neuen Morgenröte sehen möchte.
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Fünf Monate später starb Friedrich Langensiepen