Reformation
  • 24.9.1933
  • 15. p. Tr.
  • 1. Mos. 12,1-3

Fortsetzung vom vorigen Sonntag.

Vorigen Sonntag: Israel nach dem Fleisch-Geist.  Matth.: - "aus den Steinen ". Wenn die Juden mit ihrer Abstammung kamen - geh√∂ren zum auserw√§hlten Volk. Matth: deshalb habt ihr den Segen doch nicht gepachtet.

Genauso heute in der Christenheit. Taufeschein - christlich erzogen - konfirmiert usw. M√ľ√üte man ihnen genau dasselbe sagen wie den Juden.

Es gibt eine Christenheit nach dem Fleisch - Geist. Taufschein-Christen und Kinder Gottes. Unterschied: Gehorsam auf glauben. Abraham. Verlangt denn Gott noch so etwas? Das merken wir gar nicht mehr, weil wir jedes Mal die Frage der Schlange stellen: sollte Gott?? Wir reden ja anläßlich des täglichen Lesens der Bibel von Abraham. Sollte das wirklich Gott gesagt haben, oder bloß der Pfarrer? Denkt mal, wie oft in der Kirche "ja" gesagt wird. Sollte da Gott gefragt haben oder bloß die Kirche - so eine Einrichtung religiöser Zeremonien? Ferner: sollte man es wirklich Gott zutrauen können, was der Abraham ihm zutraute? Sorget nicht. - ich will doch zunächst einmal selbst sorgen. " Wer sein Leben erhalten will -. " Ich will doch vorläufig mein Leben selbst zu erhalten suchen. Wenn so tagaus tagein an Gottes Rede Fragezeichen gemacht werden, dann hört man sie zum Schluß gar nicht mehr.

Hier wird auch deutlich, weshalb so viel Israel nach dem Fleisch - und immer nur kleine Reste - so viele Taufschein-Christen und so wenige Abraham zum Vater ihres Glaubens. Ich will das nicht als eine Unm√∂glichkeit hinstellen - - eine ganze Gemeinde - - ein ganzes Land. Aber es geht immer durch dieselbe Entscheidung hindurch: soll ich es nun auf Gott hin wagen? Oder sind nicht Vaterland und Freundschaft sicherer - und sollte Gott verlangen? Geh√∂rt ein unbedingter Gehorsam dazu, der alles menschliche beiseite setzt und unbedingtes Vertrauen - das gering achtet - wie bei Abraham. Da√ü das nicht die gro√üe Masse sein wird, k√∂nnt ihr euch an f√ľnf Fingern abz√§hlen.

An Abraham: alle Geschlechter. An die J√ľnger: alle V√∂lker. Was sagt dazu die Kirchengeschichte? Unser H√§uflein - von der Welt verfolgt - unbedingt gehorsam - unbedingt vertrauend. In dem Augenblick, wo das ganze Volk christlich wurde " Staatsreligion " - da war denn auch schon von Gottes Wort so viel abgestrichen, da√ü solche Glaubensproben nicht mehr vorkamen. Dann hie√ü es: " sei blo√ü brav und fromm. Mehr wird nicht von Gott verlangt ". So in Israel - Rom - Europa - christlich gewordene Kirchenv√∂lker .

Ein Reich - nicht von dieser Welt - hat hier keine bleibende Statt. Nicht hier oder da. Geht durch alle V√∂lker hindurch und sammelt die Auserw√§hlten Gottes, auf denen der Segen Abrahams ruht. Doch nur um dieser Auserw√§hlten willen besteht die Welt. Solange es Gott gef√§llt, diese zu sammeln, h√§lt er sein Gericht auf. Gott sammelt dem Abraham noch sein gro√ües Volk. Ist es aber einmal vollz√§hlig beisammen, dann vergeht diese Welt, die bislang unter g√∂ttlicher Geduld war. An diesem Tag bringt Gott dem Abraham die Weissagung zur letzten Erf√ľllung. Amen