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         4. Denkschrift zur Gewinnung einer staatsfreien
         Position in der Ev. Kirche (1936?)

  • 1. Es ist nicht zu erwarten, dass die Bekennende Kirche die Trennung der Kirche vom Staat betreibt. Sie bangt im Gegenteil um ihre Stellung als Körperschaft öffentlichen Rechtes und um ihr Kirchensteuerrecht. Dadurch dass diese Punkte vom Kirchenkampf unbedingt verschont bleiben sollten, ist die durch »Dahlem« bezeichnete Stellung der BK eingedrückt und unhaltbar geworden.
  • Es ist aber nicht zu bezweifeln, dass eine ansehnliche Reihe lebendiger Kräfte in der Kirche die Trennung vom Staate als den gewiesenen Weg ansehen und das drohende Staatskirchentum als verhängnisvoll erachten.
  • Es ist nicht klar erwiesen, ob dieser Widerstreit in unsern eigenen Reihen Ursache zu einer geistlich gerechtfertigten Kirchenspaltung (der BK, v. N.) ist; es ist auch vorläufig nicht damit zu rechnen, dass der Staat die Torheiten von 1933 noch einmal zulassen wird, durch die die bisher mangelnde Rechtfertigung zu einer Kirchenspaltung alsbald vorhanden wäre.
  • Es wäre aber töricht, die Kräfte in der Kirche, die eine Trennung vom Staat für heilsam und notwendig halten, zu einem resignierten Verzicht gelangen zu lassen. Deshalb muss ein Weg gesucht werden, auf welchem durch diese Kräfte eine staatsfreie Position innerhalb der D.E.K. geschaffen wird.
  • 2. Die Gewinnung einer solchen Position ist nur möglich, wenn der oben bezeichnete Kreis sein Wollen durch Opfer unter Beweis stellt. Diese Opfer müssen in erster Linie dazu dienen, einen Bund vom Staate völlig unabhängiger Prediger des Evangeliums zu schaffen und zu unterhalten. Die in ihm vereinigten Prediger konnten
    • a.) von solchen Gemeinden oder Kreisen angestellt werden, die vom Staate völlig unabhängig sind, die also von ihrem Rechte als Körperschaft öffentlichen Rechtes keinen Gebrauch machen,
    • b.) als Reiseprediger durch das Land geschickt werden zur Gewinnung und Stärkung der oben beschriebenen Kreise in der >Diaspora<. Dieser Predigerbund muss sich eine feste Regel geben,
  • 3. Der so geschaffene Bund übernimmt die theologische Schule in Elberfeld (Kirchliche Hochschule, v. N.) als sein Werk. Die Schule muss soweit ausgebaut werden, dass sie gegenüber dem Studium der Theologie an den staatlichen Universitäten einen besonderen Ruf verdient. Schon dadurch, dass sie in der Lage sein wird, eine geistliche regula vitae unter ihren Studierenden zu beobachten, ist ihr diese Sonderstellung im theologischen Studium möglich gemacht.
  • Das Studium an dieser Schule soll für jedermann frei bleiben. Die Lehrer dieser Hochschule sollen in der Regel Mitglieder des Predigerbundes sein. Es wird sich von selbst ergeben, dass ein gewisser Prozentsatz der dort Studierenden in den Predigerbund eintritt.
  • Schon um des Fortbestandes der jetzt eingerichteten theologischen Schule empfiehlt sich eine solche Regelung, da es durchaus unsicher ist, ob die D.E.K. in ihrer bisherigen oder zukünftigen staatlichen Bindung in der Lage sein wird, Theologen, die nicht an den staatlichen Universitäten ausgebildet sind, zum Pfarramte zuzulassen. Es muss beizeiten erwogen werden, was denn aus den in dieser Schule ausgebildeten Theologen später werden soll.
  • 4. Es dürfte nicht gescheut werden, die unter 1. bezeichneten Kreise zu einer regelrechten Steuer für dieses Unternehmen willig zu machen unter Hintansetzung anderer kirchlicher Ausgaben, die nicht in gleichem Maße vordringlich sind«

(Friedrich Langensiepen war Mitglied des Rheinischen Bruderrates der BK)