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     7.   Sieben Thesen zur Organisation der erneuerten
         Kirche (1939)

  • 1. Die Leitung der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union ist völlig in die Hände der Welt geraten. Auch die Bruderräte der Bekennenden Kirche haben diese Entwicklung nicht aufhalten können. Damit ist jede Hoffnung auf eine Erneuerung dieser Kirche in ihrem jetzigen Bestand geschwunden.
  • 2. Darum gilt es, diejenigen, die ein offenes Auge für diesen großen Schaden der Kirche haben, unter einer neuen Leitung zu sammeln, damit eine Stelle geschaffen wird, an der sich die Kirche der Überfremdung durch die Welt entzieht. — Da die Bekennende Kirche ihren Anspruch auf Leitung der Altpreußischen Union nicht hat verwirklichen können, ist die Schaffung solcher Kreise eine Existenzfrage für die Bekennende Kirche selbst.
  • 3. Die Gemeindeglieder, die sich unter einer neuen Leitung zusammenschließen wollen, müssen bereit sein, folgende Pflichten zu übernehmen:
    • a. Sie sollen täglich ihre Andacht halten; Hausvater oder Hausmutter dürfen sich nicht scheuen, Hausandacht zu halten.
    • b. Sie sollen jeden Sonntag mit Gebet, Gesang und Lesung eiin Predigt Gottesdienst halten; dazu mögen auch mehrere Familien sich zusammentun.
    • c. Sie sollen ihre Kinder nach einem bestimmten Plane in der Heiligen Schrift, im Katechismus und im Gesangbuch unter- weisen; auch dazu mögen Kinder aus verschiedenen Familien zusammenkommen unter Leitung jemandes, der die Gabe hat,  Kinder zu unterweisen.
    • d. Sie sollen ein jährliches Opfer bringen, dessen Höhe sie selbst einschätzen. Als Maßstab diene die bisherige Kirchensteuer die ein Mindestmaß darstellen soll; andere Kollekten oder Sammlungen sollen nur in Ausnahmefällen erhoben werdet
    • Ob diese Gemeindeglieder aus der Altpreußischen Union austreten oder noch in ihr verbleiben wollen, ist einstweilen ohne Belang. Doch soll ein Kirchenaustritt nicht ohne vorherige seelsorgerliche Aussprache geschehen.
  • 4. Mit den von den Gemeindegliedern aufgebrachten Mitteln werden eigene Amtsträger, soweit es nötig ist, angestellt. Diese werden in erster Linie den Brüdern entnommen, die bei einer abgeschlossenen Vorbildung noch nicht in einem Dienstverhältnis zur Altpreußischen Union stehen.
  • 5. Amtsträger, die innerhalb der Altpreußischen Union ein »legales« Pfarramt verwalten, treten in der Weise bei, dass sie
    • a. die den Gemeindegliedern obliegenden Pflichten ebenfalls auf sich nehmen,
    • b. die Sammlung und Betreuung solcher Gemeindeglieder in ihrer Pfarrei selbst übernehmen,
    • c. auch bereit sind, andere Kreise in benachbarten Pfarrers in derselben Weise zu betreuen,
    • d. grundsätzlich bereit sind, wenn der Ruf an sie ergeht ihr legales Pfarramt aufzugeben.
  • 6. Die Leitung dieser Kreise wird vornehmlich durch einen genau geregelten Besuchsdienst ausgeübt. Ein Rat entscheidet über die ihm vom Besuchsdienst vorgelegten Fragen.
  • 7. Am 9.2.1939 habe ich dem Rheinischen Bruderrate folgende Frage vorgelegt: »Wird der Bruderrat als die Leitung der Bekennenden Kirche im Rheinlande Gemeindeglieder und Amtsträger, die aus der Altpreußischen Union austreten, weiterhin als Glieder und Amtsträger in der Bekennenden Kirche anerkennen?« Diese Frage ist unbedenklich bejaht worden. Das Verhältnis der Leitung —dieser Kreise zum Rheinischen Bruderrate wird meines Erachtens ohne große Schwierigkeit zu klären sein «